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Der kulturpolitische Wochenreport (26. KW)
Corona: Lehren aus der Krise, Urheberrecht: Diskussionsentwurf Zweites Gesetz, Das Corona-Update: Neue Politik & Kultur, Interview: Corona-Bilanz, Neuerscheinung: Frauen und Männer im Kulturmarkt, Text der Woche


Sehr geehrte Damen und Herren,  

mit Blick auf die Corona-Pandemie bieten die Daten in unserer am Freitag erschienen Studie "Frauen und Männer im Kulturmarkt: Bericht zur wirtschaftlichen und sozialen Lage" u.a. Aufschluss über die prekäre Situation, in der viele Künstlerinnen und Künstler auch schon vorher gelebt haben. Sie zeigen zugleich auf, in welchen Bereichen zuvor sich ein Fachkräftemangel abzeichnete und welche vielfältigen Möglichkeiten der Arbeitsmarkt Kultur und Medien bietet.

Nehmen wir nur ein Beispiel von Vielen. Die meisten Mitglieder der Künstlersozialversicherung leben in Berlin. Insgesamt 38.535 Versicherte haben im Jahr 2019 in Berlin ihr Zuhause. Demgegenüber sind im in Bezug auf die Fläche und die Einwohnerzahl deutlich größeren Nordrhein-Westfalen 34.243 Versicherte zu zählen. Die wenigsten Versicherten weist mit 1.074 das Saarland auf.

Werden die Durchschnittseinkommen zusätzlich in die Betrachtung einbezogen, ist ein Problem unverkennbar. Am meisten verdienen Künstlerinnen und Künstler, die in Hamburg leben. Das Durchschnittseinkommen liegt bei 20.884 Euro im Jahr, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 19.337 Euro. Am wenigsten wird in den ostdeutschen Flächenländern und in Berlin verdient. Künstlerinnen und Künstler, die in West-Berlin leben, haben ein Durchschnittseinkommen von 15.892 Euro und Künstlerinnen und Künstler in Ost-Berlin von 17.259 Euro. Nur in den ostdeutschen Ländern Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen wird ein geringeres Einkommen erzielt.

Das legt den Schluss nahe, dass die große Zahl an Künstlerinnen und Künstlern in Berlin zu einer Kannibalisierung führt. Auch wenn das Land unterschiedliche Anstrengungen unternimmt, um die Freie Szene zu stärken, sind es wahrscheinlich einfach zu viele, damit sie mit Blick auf das Durchschnittseinkommen an westdeutsche Flächenländer anschließen können.

Außerdem wird in der Studie eindeutig belegt, dass es in so gut wie allen Tätigkeitsbereichen und Länder einen Gender Pay Gap gibt. Künstlerinnen erzielen ein geringeres Einkommen als Künstler. Nach wie vor kaum geändert hat sich, dass dieser Einkommensunterschied bereits in der Altersgruppe unter 30 Jahre anzutreffen ist – mit Ausnahme der Berufsgruppe Wort. Hier verdienen die unter 30-jährigen Frauen etwas mehr als die Männer. Es zeigt sich, es besteht nach wie vor großer Handlungsbedarf, um die Geschlechtergerechtigkeit zu verbessern.

Bemerkenswert ist ferner, dass mit Ausnahme der Berufsgruppe Darstellende Kunst, der Anteil der älteren Alterskohorten zunimmt. Im Saarland und in Schleswig-Holstein stellen die Versicherten, die 50 Jahre und älter sind, bereits mit mehr als 60 Prozent die Mehrzahl der Versicherten.

Wenn  wir die dramatische Situation gerade von Künstlerinnen und Künstler in der Corona-Krise nachhaltig verbessern wollen, müssen wir auf den Grund des Übels schauen. Dafür haben wir jetzt mit der Studie "Frauen und Männer im Kulturmarkt: Bericht zur wirtschaftlichen und sozialen Lage" das dafür notwendige Zahlenmaterial vorgelegt.

Mit freundlichen Grüßen

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann


PS Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat am 24. Juni 2020 einen Diskussionsentwurf für ein Zweites Gesetz zur Anpassung des Urheberrechts an die Erfordernisse des digitalen Binnenmarkts veröffentlicht. Der Entwurf stellt klar, dass die Plattformen und nicht die Nutzer für die Klärung der Rechte verantwortlich sein sollen. Außerdem soll die freie Nutzung von Karikatur, Pastiche und Parodie gewährleistet werden. Die Bundesjustizministerin hat mit diesem Vorschlag eine gute Grundlage für eine konstruktiven Dialog der Beteiligten eröffnet. Der Deutsche Kulturrat wird sich an dem Diskussionsverfahren beteiligen und will bis Ende Juli eine eigene Stellungnahme zu den Diskussionsentwurf vorlegen.


Das Corona-Update: Neue Politik & Kultur erscheint am Dienstag, 30. Juni 2020

Anfang der Woche erscheint die neue Politik & Kultur. Autorinnen und Autoren der Ausgabe sind u.a. Ólafur Elíasson, Monika Grütters, Harald Hauswald, Michelle Müntefering, Sabine Verheyen und Franck Riester.

Der französische Kulturminister, Franck Riester, ruft im Leitartikel in dieser Ausgabe von Politik & Kultur dazu auf, für »den Schutz der Kreativen und des Pluralismus« gemeinsam einzutreten und über die Einrichtung eines europäischen Kulturschutzschildes nachzudenken. Deutschland kann in seiner EU-Ratspräsidentschaft, gemeinsam mit Frankreich, diesen Kulturschutzschild auf den Weg bringen.

Angela Merkel, bitte übernehmen Sie!



Wie fällt Ihre vorläufige Corona-Bilanz aus Sicht der Kultur aus? Ein Interview mit der Augsburger Allgemeine

Die vergangenen Monate sind ein noch nie dagewesener Albtraum für den Kulturbereich - aber ich glaube, gerade auch diesen Bereich komplett herunterzufahren, in dem Künstler nun mal in aller Regel direkt auf ein auch eng stehenden oder sitzendes Publikum treffen, das nicht selten aus allen möglichen verschiedenen Bereichen und Regionen zusammentrifft - diese Notwendigkeit ist gegeben gewesen und teilweise auch weiterhin gegeben. Hier ist nichts geschehen, was in dieser Gesundheitskrise nicht notwendig gewesen wäre. Aber weil wir eben als besonderer Ort der Öffentlichkeit besonders betroffen sind, braucht es eben auch besondere Unterstützung, im Prozess des allmählichen Wiederhochfahrens, das nun hoffentlich einsetzt.

Lesen Sie hier weiter....



Neuerscheinung: Frauen und Männer im Kulturmarkt - Bericht zur wirtschaftlichen und sozialen Lage

Die neue Studie weitet den Blick auf den gesamten Bereich der Kulturberufe.

So zum Beispiel auf die Angestellten im Buchhandel, Verlags- und Medienwirtschaft, Medien-, Informations- und Dokumentationsdienste, Redaktion und Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit, Produkt- und Industriedesign, Technische Mediengestaltung, Innenarchitektur, Kunsthandwerk – Bildende Kunst, Kunsthandwerkliche Glas- und Keramikgestaltung, Kunsthandwerkliche Metallgestaltung, Musikinstrumentenbau, Theater-, Film- und Fernsehproduktion, Veranstaltungs-, Kamera- und Tontechnik, Bühnen- und Kostümbildnerei, Musik-, Gesangs- und Dirigententätigkeit, Schauspiel-, Tanz- und Bewegungskunst, Moderation und Unterhaltung, Ausstellen und Präsentieren in Museen und Lehren außerhalb der Schule

Und auf die Selbständigen in den Bereich Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Kunst, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt und Software-/Games-Industrie sowie weiter auf die in der Künstlersozialkasse Versicherten in den Berufsgruppen Wort, Bildende Kunst, Musik und Darstellende Kunst.

Eine ausführliche Buchvorschau können Sie hier abrufen.

Erste Stimmen zur Studie:
Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, sagte über die Studie: „Die Corona-Krise hat uns deutlich gezeigt, dass der Kulturbereich mit seinen speziellen Arbeitsstrukturen besonders fragil ist – nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Chancen der Frauen die einmal mehr mit Sonderbelastungen zu kämpfen haben. Zusammen mit den beiden ebenfalls vom Bund geförderten Untersuchungen „Arbeitsmarkt Kultur“ (2013) und „Frauen in Kultur und Medien“ (2016) des Deutschen Kulturrates liegt uns nun in Kombination mit der Studie „Frauen und Männer im Kulturmarkt“ ein wissenschaftlich fundiertes Bild der wirtschaftlichen und sozialen Situation von Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen vor. Das hilft uns dabei, zielgenaue Fördermaßnahmen und Hilfsprogramme für eine angemessene Absicherung der im Kulturbereich Beschäftigten zu entwickeln.“

Wie geht es Künstlerinnen und Künstlern? Gender Pay Gap? Tendenz steigend. Der Konzeptkünstler, die Librettistin und die Soloselbstständigen: Eine Studie untersucht die soziale und wirtschaftliche Lage von Kulturschaffenden in Deutschland. Lesen Sie hier eine Besprechung der Studie von Christiane Peitz im Berliner Tagesspiegel.

Hauptautorin der Studie Gabriele Schulz stellt hier die Resultate vor.

Scala spricht hier mit Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, über Erkenntnisse aus der Studie "Frauen und Männer im Kulturmarkt".

Gespräch in SWR2:  Erschreckender Gender Pay Gap: Studie zur wirtschaftlichen und sozialen Lage im Kulturbereich

Das Gespräch in Fazit mit Gabriele Schulz zur Studie kann hier nachgehört werden.


Gabriele Schulz. Olaf Zimmermann
Frauen und Männer im Kulturmarkt – Bericht zur wirtschaftlichen und sozialen Lage.
Berlin 2020
508 Seiten, Großformat, 24,80 Euro  
  • Eine ausführliche Buchvorschau können Sie hier abrufen.
  • Die Studie kann über den Buchhandel (IBSN: 978-3-947308-20-0) oder direkt hier bestellt werden.



Aktualisiert! Corona-Krise: Was wird für die Kultur getan, was muss noch getan werden?

Einschätzungen, Auswirkungen, Maßnahmen, Forderungen: Wie ist der Kulturbereich von der Corona-Pandemie betroffen?

Hier finden Sie alle Pressemitteilungen des Deutschen Kulturrates im Zusammenhang mit der Corona-Krise, den Newsletter Corona versus Kultur sowie weitere nützliche Informationen und Meldungen.

Newsletter des Deutschen Kulturrates für alle von Einschränkungen betroffenen Künstler, kulturwirtschaftlichen Unternehmen, öffentlichen und privaten Kultureinrichtungen.
Hier finden Sie alle Pressemitteilungen, die der Deutsche Kulturrat im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie veröffentlich hat.
Viele Mitgliedsverbände der Sektionen informieren ihre Mitglieder über spezifische Herausforderungen in der jeweiligen künstlerischen Sparte oder im Arbeitsbereich. Hier kommen Sie zu den Informationen der Verbände und Institutionen.
Finden Sie hier Informationen zu den Maßnahmen des Bundes für Solo-Selbständige und Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft.
Finden Sie hier Informationen zu den Maßnahmen der einzelnen Bundesländer im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.
Hier finden Sie Informationen zu den Hilfsmaßnahmen des Kultur- und Medienbereichs für den Kultur- und Medienbereich.



Text der Woche: Malte Boecker "Der schwarze Schwan - Die Corona-Pandemie hat auch das Beethoven-Jubiläumsjahr fest im Griff "

Stell dir vor, es ist Beethoven Jubiläum und keiner darf hin. Unter den Szenarien, die unser Denken im Vorfeld des 17. Dezember 2020, Beethovens 250. Geburtstag, bestimmt hatten, war dies, um ein Bild von Nassim Nicholas Taleb zu verwenden, der schwarze Schwan: das unvorstellbarste aller unwahrscheinlichen Ereignisse.

Malte Boecker ist Direktor des Beethoven-Hauses Bonn und Künstlerischer Geschäftsführer der Beethoven Jubiläums GmbH.

Lesen Sie den Text hier!

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