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Der kulturpolitische Wochenreport (23. KW)
Spaß Partei, Zerstörungsvideos, Meinungsfreiheit, Humboldt Forum, Mentoring-Programm, Klimaschutz, Kulturrat, was ist das?, Politik & Kultur, Nachhaltigkeit, Veranstaltungen, Pressemitteilungen


Sehr geehrte Damen und Herren, 

diese Woche war so extrem heiß, dass mir kein zusammenhängender Text gelungen ist. Erlauben Sie mir in diesem Wochenreport deshalb einige, auf den ersten Blick eher unzusammenhängende Bemerkungen, die aber zumindest für mich ein kleines Gesamtbild ergeben.

Erste Bemerkung über den medialen Hype zur Spaß Partei "Die Partei":

Die Partei gilt besonders bei Journalisten als eine Partei der Kulturschaffenden, weil sie von Mitarbeitern des Satiremagazins TITANIC gegründet und als eine Art Familienbetrieb hauptsächlich von der Redaktion der Zeitung geführt wird. Das Ergebnis dieser Partei bei der Europawahl war erschreckend beeindruckend: 898.386 Wähler haben sie im Bundesgebiet gewählt. In, meiner Heimatstadt Berlin haben 4,9% der Wähler sich ein Späßchen mit ihrer Stimme gemacht. Zwei Abgeordnete sendet "Die Partei" jetzt ins Europaparlament, Deutschland verliert damit zwei Plätze, auf denen ernsthafte Politikerinnen und Politiker hätten ihre Arbeiten machen sollen, denn die Partei will erklärtermaßen keine Politik machen. Dass die Medien "Die Partei" zu einem ernsthaften Thema gemacht haben, ist unverantwortlich. Dass gerade auch im Kulturbereich diese Art der Verächtlichmachung von realer Politik als besonders lustig und kreativ angesehen wird, ist mir unverständlich.

In meiner zweiten Bemerkung empfehle ich Zerstörungsvideos anschauen!

Im Ernst. Nachdem das Video des YouTube-Stars Rezo (14.621.916 Aufrufe!) gegen die CDU als Zerstörungsvideos auch außerhalb der YouTube-Szene für helle Aufregung sorgte, dämmert es vielen, dass es sich bei den Zerstörungsvideos nicht um einen Einzelfall, sondern um eine neue massenmediale Ausdrucksform im Internet handelt. Ein neues journalistisches Genere ist geboren. Machen wir uns vertraut damit.

Dritte Bemerkung zur Äußerung der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer zur Meinungsfreiheit kurz nach der Europawahl als Reaktion auf das Rezo-Video:

So unglücklich und falsch ihre Wortwahl war, "klare Meinungsmache vor einer Wahl" einschränken zu wollen, so notwendig ist die Diskussion über die Meinungsfreiheit im Netz. Dieses Netz ist nämlich nicht frei, es gehört wenigen amerikanischen Großkonzernen und wir werden heftig kämpfen müssen, damit die Meinungsfreiheit auch im Internet gesichert wird. Aber in einem hat Annegret Kramp-Karrenbauer recht, viele Formate im Netz sind sendungsähnlich und sollten deshalb auch wie Sendungen im Hörfunk und Fernsehen rechtlich behandelt werden. So sind etwa Rundfunksender, aber auch Zeitungen verpflichtet, unter genau definierten Umständen eine Gegendarstellung zu einer von ihnen aufgestellten Tatsachenbehauptung zu veröffentlichen, das ist eine wichtige Maßnahme gegen Fakenews und sollte auch im Internet möglich sein.

Meine vierte Bemerkung dreht sich um das sich in den letzten Zügen des Wiederaufbaus befindende Stadtschloss in Berlin:

Das für 600 Millionen Euro geplante Humboldt Forum im weitgehend rekonstruierten Stadtschloss von Berlin  soll von Ende 2019 an als Museums- und Kulturzentrum schrittweise öffnen. Jetzt wird immer deutlicher, dass es bis zu diesem Zeitpunkt wenig bis gar nichts im Gebäude auszustellen gibt. Wichtige internationale Sammlung weigern sich offenbar, ihre Stücke in ein noch im Bau befindliches Haus auszuleihen und die nach meiner Ansicht unbedingt notwendige  Geschichtsausstellung soll sowieso erst im kommenden Jahr fertig werden. Was ist so schlimm daran, das Gebäude wirklich erst festig zu bauen, alle Ausstellungen zu installieren und dann eine hoffentlich erfolgreiche Eröffnung irgendwann im kommenden Jahr zu organisieren? Besser einige Monate später eröffnen, als nur eine Baustelle mit Pomp und Glamour zu präsentieren. Die Idee des Humboldt Forums ist zu wichtig, um durch falsche Hektik beschädigt zu werden.

Und wenn man jetzt mit der Eröffnung des Humboldt Forums noch warten würde, könnte eine alte Forderung des Deutschen Kulturrates endlich umgesetzt werden: Bindet die Zivilgesellschaft bei der inhaltlichen Konzeption des Humboldt Forums ein. Bislang steht der von der Politik beschworene neue offene Geist des Hauses in klarem Widerspruch zur Realität.

Mit freundlichen Grüßen


Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann





Heute Bewerbungsschluss: Mentoring-Programm für Frauen mit Führungsanspruch

Der Deutsche Kulturrates bietet ein 1:1-Mentoring-Programm, das sich an ambitionierte Frauen mit mindestens 10 Jahren Berufserfahrung in Kultur & Medien richtet, die eine Führungsposition anstreben.

22 erfahrene Mentorinnen und Mentoren aus den Bereichen Design, Bildende Kunst, Musik, Theater, Literatur, Tanz, Museum, Stiftungen, Kulturverwaltung- und politik, Wirtschaft, Medien und Film stehen den Mentees zur Verfügung. Sie alle sind Expertinnen und Experten in ihrem jeweiligen Feld und möchten dazu beitragen, dass qualifizierte Frauen aus Kultur & Medien ihren Weg in Führungspositionen finden.  

Bewerbungsschluss ist der 7. Juni 2019. Im September/Oktober 2019 starten die Tandems. Das Mentoring erstreckt sich über sechs Monate.  

Hier geht es zur Ausschreibung!


Vorankündigung: Jetzt noch kurz die Welt retten - Wie kommen wir beim Klimaschutz vom Wissen zum Handeln?

Deutschland wird die Klimaziele nicht erreichen ohne eine grundlegende Änderung von Lebensstil und Kultur. Daher brauchen wir einen Dialog darüber, wie wir leben wollen. Die Nachhaltigkeitsdebatte ist eine kulturelle Debatte, die ebenso wie die Diskussionen um Kohleausstieg, Verkehrswende und Klimaziele als gesellschaftlicher Dialog geführt werden muss.

Die Notwendigkeit nachhaltig zu leben könnte der Startpunkt für einen grundsätzlichen kulturellen Wandel unserer Gesellschaft sein, um einfach, besser und anders zu leben. Der Wandel zu einem Leben, auf das wir uns freuen.

Der sorgsame Umgang mit den endlichen Ressourcen sollte nicht mehr als Verlust, sondern als Gewinn gesehen werden. Es liegt an uns, ein positives Bild zu entwickeln, wie eine ökologisch aufgeklärte Gesellschaft aussehen kann. Damit unsere Zukunft nachhaltig und geschlechtergerecht aus der Breite der Gesellschaft gestaltet wird.

Gefragt sind wir alle: öffentliche Einrichtungen, Kulturschaffende, Politik wie auch große Verbände der Zivilgesellschaft. Wir alle wirken an der Veränderung von Bewusstsein, Kultur und Lebensstil mit. Das umfasst beispielsweise die Frage, wie Innovationen befördert, wie mehr Teilhabe ermöglicht und wie Menschen motiviert werden können, klimafreundliche und nachhaltige Konsumentscheidungen zu treffen. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands z. B., sieht die Macht der Frauen im Handeln und setzt auf die Verantwortung von Christinnen für die Schöpfung.

Gemeinsam mit Ihnen möchten wir darüber sprechen, welche Bereiche der Kulturwandel umfassen muss und wie dieser in die Köpfe und Herzen der Menschen kommt.

Folgende Fragen möchten wir beim Berliner Klimagespräch am Donnerstag, den 27. Juni 2019, von 18.00 bis 20.00 Uhr im silent green, Gerichtstraße 35, 13347 Berlin, diskutieren:
  • Was ist Kulturwandel im Klimaschutz?
  • Wie gestaltet sich Klimaschutz ganz konkret in einzelnen Sektoren?
  • Mit welchen gesellschaftlichen Strategien kann dem Klimawandel angemessen begegnet werden?
  • Wie schaffen wir es vom Wissen zum Handeln zu kommen?

Es diskutieren auf Einladung der Klima-Allianz Deutschland:
  • Dr. Wolfgang Gründinger, Zukunftslobbyist
  • Mechthild Heil, Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands e.V.
  • Prof. Dr. Ellen Matthies, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Olaf Zimmermann, Deutscher Kulturrat e.V.
     
  • Moderiert von Julia Dittmann, Klima-Allianz Deutschland

Weitere Informationen finden Sie hier!




Deutscher Kulturrat: Wer wir sind, was wir machen, wie wir es machen: Aktualisierte Kurzübersicht erschienen


Der Deutsche Kulturrat ist der Spitzenverband der Bundeskulturverbände. Er wurde 1981 gegründet und repräsentiert die verschiedenen künstlerischen Sparten und die unterschiedlichen Bereiche des kulturellen Lebens. Unter seinem Dach haben sich zurzeit acht spartenspezifische Sektionen zusammengeschlossen. 258 Bundeskulturverbände und bundesweit tätige Organisationen haben sich diesen acht Sektionen des Deutschen Kulturrates angeschlossen.

Der Deutsche Kulturrat ist der Ansprechpartner der Politik und Verwaltung des Bundes, der Länder, der Kommunen und der Europäischen Union in allen die einzelnen Sparten des Deutschen Kulturrates übergreifenden kulturpolitischen Angelegenheiten. Organisiert als eingetragener Verein (e. V.) ist der Deutsche Kulturrat politisch unabhängig.

Die Kurzübersicht kann hier als pdf-Datei geladen werden!



Juni-Ausgabe von Politik & Kultur ist erschienen


Themen der Ausgabe:

  • Exilkultur
    Kulturschaffende im Exil: Neuanfang zwischen Ausdruckslosigkeit und Schaffensdrang
  • EU-Urheberrechtsreform
    Welche Schwerpunkte werden bei der Umsetzung der EU-Urheberrechtsreform in Deutschland gesetzt?
  • Computerspiele
    Nächste mediale Stufe: Weshalb sollen Computerspiele die Sammlung des Literaturarchivs Marbach ergänzen?
  • Frauen in der Kultur
    Netzwerkerinnen: Wie organisieren sich Kultur- und Medienschaffende in Literatur, Film, Kunst und Musik?
  • Hochschulen in Ägypten
    Internationalisierung am Nil: Das Land der jahrtausendealten Kultur ist auf dem Weg zum regionalen Bildungs-Hub


Der Leitartikel zum Thema „Die Lücke in der deutschen Erinnerungskultur: Das Exil gehört zur Geschichte Deutschlands“ stammt von Herta Müller, Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin.


Politik & Kultur ist auch in Bahnhofsbuchhandlungen, auf Flughäfen, sowie im Abonnement erhältlich. Hier können Sie das Politik & Kultur-Jahresabonnement bestellen.



Mittwoch, 19.06.2019, 19:00 Uhr – 21:00 Uhr: Podiumsdiskussion: Nachhaltigkeit und Energiewende als kulturelle Aufgabe

Die Energiewende ist eine komplexe Herausforderung für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Das ist belegt durch den Jahrzehnte währenden Kampf von Aktivist*innen und Umweltverbänden zum Ausstieg aus Atom- und Kohlekraft. Dieser wurde begleitet durch ein zähes Ringen von Politik und Energielobby und in jüngster Zeit die Arbeit der "Kohlekommission", die nun, nach dem Ausstiegsbeschluss zur Atomenergie (2000/2011), auch das Ende der Kohleverstromung empfiehlt. Parallel zu diesen technischen, wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen findet eine ebenfalls tiefgehende Umdeutung von Symbolen, Bildern und Erzählungen statt. Die großen Wärmekraftwerke – einst Zeichen für den wirtschaftlichen Aufschwung und die Prosperität Deutschlands – sind zu einem Sinnbild für die gewaltigen Probleme der Ära geworden. Die Diskussionsteilnehmer*innen erörtern, wie die Komplexität des Umbruchs erfasst werden kann und welche Handlungsoptionen daraus entstehen. Sind "nachhaltige" Technologien als Gegenvorschlag zu bewerten oder doch eher als Fortführung des Bestehenden? Gibt es Alternativen zur ideellen und materiellen Verschrottung der zurückliegenden Ära? Und welche Rolle kann dabei Kunst spielen?
Mit Prof. Dr. Günther Bachmann (Generalsekretär Rat für Nachhaltige Entwicklung), Esra Küçük (Geschäftsführerin Allianz Kulturstiftung), Olaf Nicolai (Künstler), Dr. Gerd Rosenkranz (Senior Advisor Agora Energiewende) und Olaf Zimmermann (Geschäftsführer Deutscher Kulturrat).

Moderiert von Andreas Ruby (Direktor Schweizerisches Architekturmuseum).

Eintritt frei, ohne Anmeldung.

Ort: Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Stiftung Öffentlichen Rechts
Alte Jakobstraße 124-128,  10969 Berlin Tel. (+49) - (0) 30 789 02 833, Fax (+49) - (0) 30 789 02 730
www.berlinischegalerie.de



Veranstaltungen mit Beteiligung des Deutschen Kulturrates



Aktuelle Pressemitteilungen des Deutschen Kulturrates:

Nachhaltigkeit macht Spaß 4. Juni 2019

Klimawandel: Mehr Kulturpolitik bitte! 3. Juni 2019



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Deutscher Kulturrat e.V.
Taubenstr. 1
10117 Berlin

Web: www.kulturrat.de
E-Mail: post@kulturrat.de

Tel: 030-226 05 28-0
Fax: 030-226 05 28-11

Verantwortlich:
Olaf Zimmermann,
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates