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Der kulturpolitische Wochenreport (41. KW)
Zwanzig Jahre BKM, Wachgeküsst, Jüdischer Zukunftskongress, 1:1-Mentoring-Programm, Sündenbockreflexe, Erinnerungskultur, Deutschland #vereint, Neue Mitarbeiterin


Sehr geehrte Damen und Herren, 

als der Vorstand des Deutschen Kulturrates und ich als Geschäftsführer im Februar 1998, also vor mehr als zwanzig Jahren, einen Gesprächstermin beim damaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine hatten und die Gelegenheit bestand, Anliegen für den bevorstehenden Bundestagswahlkampf 1998 vorzutragen, herrschte zuerst eine gewisse Ratlosigkeit, was genau gefordert werden sollte. Sollte es ein Bundeskulturminister in einem eigenen Kulturministerium sein? Diese Forderung, die ich favorisierte, ging insbesondere dem damaligen Präsidenten des Deutschen Kulturrates August Everding, seines Zeichens Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Direktor der Bayerischen Theaterakademie, zu weit. Es bestand aber großer Unmut über die von einigen so empfundene stiefmütterliche Behandlung der kulturpolitischen Belange in der Bundesregierung. Der damalige Bundesinnenminister Manfred Kanther wurde nicht als Mann der Kultur wahrgenommen.

In dem Gespräch mit Oskar Lafontaine, in dem wir eine Stärkung der Kulturpolitik des Bundes anmahnten, an dem auch Renate Schmidt und Wolfgang Thierse teilnahmen, sprach sich der SPD-Vorsitzende für einen »Kulturbeauftragten des Bundes« aus. Ein erster Durchbruch!

Innerhalb des Deutschen Kulturrates verständigte man sich nach dem Gespräch darauf, gemeinsam einen Beauftragten für Kultur und Medien zu fordern, der am Kabinettstisch Platz nimmt und deutlich und vernehmlich für die Kultur seine Stimme erhebt. Gedacht wurde an Modelle wie einen Bundesminister für besondere Aufgaben. Ebenfalls sprach sich der Deutsche Kulturrat für die Einrichtung eines Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag sowie die Etablierung einer Kultur-Enquête aus.

Bei Oskar Lafontaine waren die Anregungen des Deutschen Kulturrates auf großes Interesse gestoßen. Er griff sie auf, offen war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch, wer in der SPD das Rennen um die Kandidatur als Kanzlerkandidat macht, Lafontaine selbst oder Gerhard Schröder, der im März 1998 noch die niedersächsische Landtagswahl erfolgreich bestehen musste, um eine Chance zur Kanzlerkandidatur zu haben. Gerhard Schröder reagierte zunächst sehr zurückhaltend bis ablehnend auf die Vorschläge des Deutschen Kulturrates. Hilmar Hoffmann, eine der wichtigen kulturpolitischen Stimmen in Deutschland, sprach sich klar gegen eine Stärkung der Kulturpolitik des Bundes aus und betonte die Bedeutung der Länder und der Kommunen in der Kulturpolitik.

Am 22. Juni 1998 führten der Deutsche Kulturrat, die Kulturpolitische Gesellschaft und das Haus der Geschichte in Bonn eine Veranstaltung durch, in der die Frage nach einer neuen kulturpolitischen Verantwortung des Bundes erörtert wurde. Bei dieser Veranstaltung kamen hochkarätige Verbandsvertreter und Experten zu Wort. Die Diskussion wurde mit großer Leidenschaft geführt. Die Gegnerschaft gegen ein Bundeskulturministerium oder wie vom Deutschen Kulturrat in den Wahlprüfsteinen zur Bundestagswahl 1998 gefordert eines Kulturbeauftragten verlief quer durch die Parteien. Neben der CDU-geführten Bundesregierung waren es insbesondere einige SPD-geführte Länder, die sich angeführt von NRW vehement dagegen aussprachen.

Und jetzt, in diesem Monat feiern wir zwei erfolgreiche Jahrzehnte BKM (Beauftragte/r der Bundesregierung für Kultur und Medien). Wie es nach dem 22. Juni 1998 weiter ging, wie es zum Durchbruch kam, erfahren sie in dem neuen Buch „Wachgeküsst - 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998 – 2018“.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters wird das Buch am 17. Oktober in Berlin der Öffentlichkeit vorstellen. Sie sind herzlich eingeladen!


Mit freundlichen Grüßen

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann


PS. Gestern haben die Länder die Kulturministerkonferenz gegründet. Ein wichtiges Signal für einen kooperativen Kulturföderalismus. Ich hoffe sehr, dass sich die Kulturministerkonferenz auch als Gesprächspartner der Zivilgesellschaft versteht. Lesen Sie hier die PM des Kulturrates.



Wachgeküsst: Einladung zur Buchvorstellung!
Nur noch vier Tage zum Subskriptionspreis vorstellbar!

Buchvorstellung am Mittwoch, den 17.10.2018 um 12.00 Uhr, Akademie der Künste Berlin, Pariser Platz 4

Im Oktober 2018 wird die Bundesbehörde "Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien" 20 Jahre alt. Ende der 1990er Jahre als neue Behörde gegründet und organisatorisch an das Bundeskanzleramt angebunden, musste sie ihren Platz erst finden. Es ging einerseits darum, eine eigene Position mit Blick auf die Länder und deren sogenannter Kulturhoheit zu entwickeln und andererseits im Konzert der Bundesministerien zu einer eigenen Stimme zu finden und insbesondere mit Blick auf die Gesetzgebung zu einem eigenständigen Akteur zu werden. Das am 17. Oktober erscheinende Buch beschreibt diesen Weg.

Wachgeküsst - 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998-2018
Hg. v. Olaf Zimmermann
Redaktion: Gabriele Schulz
ISBN 978-3-947308-10-1,
492 Seiten, 22,80 Euro

Das Inhalts- und Autorenverzeichnis kann hier als pdf-Datei geladen werden!
Wachgeküsst - 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998-2018

Einladung zur Buchvorstellung „Wachgeküsst – 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998 – 2018“  
  • am Mittwoch, den 17.10.2018 um 12.00 Uhr
  • in die Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
  einladen. Folgender Ablauf ist vorgesehen:  
  • Begrüßung: Prof. Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste und Prof. Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrates
  • Einführung: Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters MdB
  • Buchvorstellung: Olaf Zimmermann, Herausgeber „Wachgeküsst – 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998 – 2018“
Bitte melden Sie sich bis Montag, den 15.10.2018 16.00 Uhr unter anmeldung@kulturrat.de oder per Fax 030 226 05 28 11.


Jüdischer Zukunftskongress 05-08.11.2018 in Berlin. Der Deutsche Kulturrat ist Partner des Jüdischen Zukunftskongresses.

Das jüdische Leben in Berlin ist 2018, 80 Jahre nach den Novemberpogromen des Jahres 1938, so vielfältig, wie es nach Zweitem Weltkrieg und Schoa kaum vorstellbar gewesen war. Die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung jüdischen Lebens trifft hier heute auf eine dynamische jüdische Zivilgesellschaft. In Religion, Kultur, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gestalten junge Jüdinnen und Juden nicht nur ihre eigene vielstimmige Gemeinschaft: Sie gestalten unsere Gesamtgesellschaft mit, in Berlin und darüber hinaus.

Dieser neuen Vielfalt ist der Jüdische Zukunftskongress gewidmet, der von der Leo Baeck Foundation in enger Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa initiiert wurde und von der Bundeszentrale für politische Bildung wesentlich unterstützt wird.


Kontakt: Leo Baeck Foundation c/o Universität Potsdam, Am Neuen Palais 10, Haus 2, 14469 Potsdam , 030 – 31 80 59 10,  leo.baeck.foundation@t-online.de, www.leo-baeck-foundation.org



Mentoring-Programm – In 10 Tagen endet die Bewerbungsfrist  

Ambitionierte Frauen aus Kultur und Medien können sich noch bis zum 21. Oktober für das bundesweite 1:1-Mentoring-Programm für hochqualifizierte Künstlerinnen und Kreative bewerben.

Das Programm des Deutschen Kulturrates ist gedacht für Frauen, die im Kultur- und Medienbereich eine Führungsposition anstreben. Den ausgewählten Mentees werden Mentorinnen oder Mentoren an die Seite gestellt, die als Künstler, Akteure der Kreativwirtschaft oder anderer Kultureinrichtungen über ein weit gespanntes Netzwerk verfügen, im Markt präsent sind und ambitionierten Frauen gerne etwas von ihrem Know-How vermitteln. Auf diese Weise sollen die Mentees eine größere Chance erhalten, ebenfalls in Führungspositionen vorzustoßen. 20 in ihrem Fach exzellente Mentorinnen und Mentoren aus den Bereichen Literatur, Musik, Kulturelle Bildung, Tanz, Theater, Film, Medien, Denkmalkultur, Design und Bildende Kunst stehen den auszuwählenden Mentees beratend zur Seite.

Im Januar/Februar 2019 starten die Tandems. Das Mentoring-Programm läuft jeweils über sieben Monate.

Die Ausschreibung finden Sie hier!





Leitschnur statt Leitkultur: Für eine Wertedebatte als Mittel gegen die Sündenbockreflexe

Die sogenannte Flüchtlingskrise sei nicht der Grund für die gesellschaftlichen Verwerfungen in Deutschland, meint Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Vielmehr stelle die Zweite Moderne permanent althergebrachte Werte infrage. Deshalb könne auch eine Leitkultur das Problem nicht lösen.
Die Zweite Moderne lässt alte Gewissheiten von der Stabilität Deutschlands ins Wanken geraten. Sie geraten aus vielerlei Gründen ins Wanken. Stichworte hierfür sind die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in der Arbeitswelt und an der Familienarbeit, die die traditionelle Männerrolle, als Ernährer und Oberhaupt der Familie infrage stellt. Aber auch die sogenannte „Ehe für alle“, die Entgrenzung von Arbeit in Folge der Digitalisierung, die Globalisierung und anderes mehr sind Entwicklungen in einer modernen Gesellschaft, die von nicht wenigen als eine Zumutung empfunden werden, weil sie traditionelle Werte verletzen.

Die Aufnahme von vielen Flüchtlingen im Jahr 2015 hat dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Aber die sogenannte Flüchtlingskrise ist mitnichten der Grund für die gesellschaftlichen Verwerfungen in Deutschland. Der Grund ist, dass die Zweite Moderne permanent die althergebrachten Werte infrage stellt. Deshalb kann auch eine Leitkultur das Problem nicht lösen, weil Werte unter den Veränderungsdruck von außen nicht dauerhaft Bestand haben, sondern immer wieder neu in der Gesellschaft ausgehandelt werden müssen.

Und trotzdem muss gesehen werden, dass in der Gesellschaft eine kollektive Sehnsucht nach mehr Klarheit wächst, die sich in dem Wunsch äußert, kulturelle Leitplanken beim Zusammenleben einziehen zu können.


Programmhinweis: Erinnerungskultur in Computerspielen WDR3 Forum 21. Oktober 2018, 18.04 - 19.00 Uhr

Historische Szenarios dienen häufig als thematischer Hintergrund für Computerspielwelten – mal das alte Ägypten und die Renaissance, mal der Zweite Weltkrieg und manchmal alternative Realitäten mit eindeutigen geschichtlichen Bezügen. Durch ihre weite Verbreitung können Games auch als Erinnerungsmedien dienen. Wir diskutieren Computerspiele im Kontext von Erinnerungskultur und gesellschaftspolitischer Verantwortung.  
Darüber diskutiert Max von Malotki mit:
  • Jörg Friedrich, Paint Bucket Games
  • Andreas Lange, Computerspielemuseum Berlin
  • Christian Schiffer, Herausgeber, WASD
  • Olaf Zimmermann, Deutscher Kulturrat
Aufnahme vom 22. August 2018, Gamescom, Congress Köln

Redaktion: Karl Karst

Weitere Informationen zu der Sendung finden Sie hier!

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel von Felix Zimmermann "Erinnerungskultur braucht den Diskurs - Der gamescom congress 2018".


Podiumsdiskussion: »20 Jahre Bundeskulturpolitik – Bilanz und Zukunftsperspektiven«

Termin: 23. November 2018 19:30 Uhr – 21:00 Uhr
Ort: LVR-LandesMuseum Bonn, Colmantstr. 14–16, 53115 Bonn

»20 Jahre Bundeskulturpolitik – Bilanz und Zukunftsperspektiven«

Keynote: Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien

Es diskutieren:
  • Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Prof. Dr. Oliver Scheytt, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft
  • Prof. Dr. Julia Lehner, Stadträtin und Kulturreferentin der Stadt Nürnberg
  • Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats
  • Holger Bergmann, Kurator, Mentor und Geschäftsführer des Fonds Darstellende Künste
  • Moderation: Peter Grabowski, WDR/ARD

Um Anmeldung bis zum 15. November 2018 wird gebeten:
Kulturpolitische Gesellschaft e.V., Weberstraße 59a, 53113 Bonn, post@kupoge.de, T: +49 228 20167–0, F: +49 228 20167–33



Aktion „Deutschland #vereint“ – für Demokratie, Solidarität und Rechtsstaat



In Deutschland engagieren sich Millionen Menschen privat, in ihrem Unternehmen, in Vereinen, Parteien und Organisationen für den Zusammenhalt unserer vielfältigen Gesellschaft und gegen Rassismus und Ausgrenzung. Die Allianz für Weltoffenheit, ein Bündnis von neun zivilgesellschaftlichen Organisationen und Verbänden, möchte diesem Engagement eine Bühne bieten.


Engagierte Menschen sind aufgerufen, ihre Fotos zum Thema auf der Webseite www.deutschland-vereint.de hochzuladen. Die Mitmach- und Mutmach-Aktion „Deutschland #vereint“ läuft bis zum 9. November 2018. Damit wirbt die Allianz für die Würde des Menschen, wie sie in Artikel 1 des Grundgesetzes garantiert ist. Sie will ein Zeichen setzen für ein weltoffenes und demokratisches Deutschland und tritt jeder Form von Diskriminierung entgegen.

Eine Aktion von:

Neue Mitarbeiterin

Maike Karnebogen, Jahrgang 1989, ist in Uslar aufgewachsen und kam 2009 nach Berlin. Dort absolvierte sie eine Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien in der Abteilung Marketing & Communications eines großen Mediendienstleisters. Im Anschluss studierte sie Kulturwissenschaft und Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und war als Werkstudentin im Bereich Kommunikation und Social Media bei ALEX Berlin tätig.

Seit dem 8. Oktober 2018 ist sie Redaktionsassistentin beim Deutschen Kulturrat tätig. 

Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier abbestellen.

Deutscher Kulturrat e.V.
Taubenstr. 1
10117 Berlin

Web: www.kulturrat.de
E-Mail: post@kulturrat.de

Tel: 030-226 05 28-0
Fax: 030-226 05 28-11

Verantwortlich:
Olaf Zimmermann,
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates