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Der kulturpolitische Wochenreport (38. KW)
Dau Projekt, Sohrab Shahid Saless, Neue Mitarbeiter, Kulturhauptstadt Europas 2015, Mythos Unabhängigkeit, Games-Förderung, Wachgeküsst


Sehr geehrte Damen und Herren, 

ein heftiger Streit ist ausgebrochen, in Berlin soll die Mauer wiederaufgebaut werden. Der Streit geht um das Kunstprojekt Dau, das ab Mitte Oktober (12. Oktober bis zum 9. November) knapp einen Monat lang einige Häuser in der Berliner Innenstadt mit einer Nachbildung der Berliner Mauer umgeben will. Ein offener Brief Pro Dau, ein offener Brief Contra Dau kursieren. Der russische Regisseur des Projektes Ilya Khrzhanovsky spricht sogar von einer Hetzkampagne gegen sein Projekt.  

Kern des Kunstprojektes ist offensichtlich ein Film des Regisseurs über den sowjetischen Physiker und Nobelpreisträger Lew Dawidowitsch Landau (Dau kurz für: Landau). Die Besucher des von einem Nachbau der Berliner Mauer umgebenen Areals sollen eine Raum- und Zeiterfahrung machen, die Parallelen zu derjenigen des Filmdrehs aufweist.

In einem Punkt muss man den Kritikern des Projektes Recht geben, die Informationspolitik der Veranstalter der Kunstaktion ist deutlich verbesserungswürdig. Keine Homepage, keine ausführlichen Informationen zur künstlerischen Idee und den Finanziers im Hintergrund, zu wenig Gesprächsbereitschaft mit einigen Anwohnern, die eingemauert werden sollen.

Aber, trotzdem, es könnte ein sehr spannendes Kunstprojekt werden. Thomas Oberender, der Intendanten der Berliner Festspiele und Mitinitiator des Projektes, sagte in einem Interview dem Berliner Tagesspiegel: „Die Mauer ist in Berlin sicher das schmerzhafteste Symbol für Teilung und den Verlust von Freiheit. Als Khrzhanovsky mir sagte, er wolle, als ein Element seines Projekts, die Mauer wiederaufbauen, bin ich erschrocken. Dann dachte ich: Das machen wir. Deutschland war seit der Öffnung der Mauer nie getrennter als jetzt. Wir leben in einem innerlich zerrissenen Land – AfD, Pegida, Reichsbürgerdörfer in Bayern, jetzt Chemnitz, ein Riss geht durch unser Land. Mit der Mauer berühren wir diese Wunde. Deswegen bin ich bei dem Projekt dabei. An vielen Orten der Welt werden neue Mauern gebaut, und in Berlin weiß man sehr genau, was das bedeutet.“

Und recht hat Oberender, es ist so einfach. Einfach das Experiment wagen, das Projekt machen und dann, wenn es gelungen ist, es in den höchsten Tönen loben, wenn es misslungen ist, es sehr heftig kritisieren. Nur wenn Kunst eine Chance hat zu entstehen, kann sie beurteilt werden. Eine Stadt, die gefühlt jede zweite Woche für irgendein Event teilweise abgesperrt wird, wird auch das Dau-Projekt verkraften. Also, einfach mal machen!“

Das letzte Wort über das Kunstprojekt hat jetzt die Berliner Verwaltung, sie will bis 28. September entscheiden, ob es überhaupt stattfinden darf. Aber vielleicht wird das Projekt sogar schon heute Vormittag beerdigt. Nach Informationen des Berliner Tagesspiegels wollen Verkehrssenatorin Regine Günther und Stadträtin Sabine Weißler schon heute in einer Pressekonferenz verkünden, dass keine Genehmigung zur Durchführung des Projektes erteilt wird. Nach Tagesspiegel-Informationen waren die Probleme mit Technik und Sicherheit zu groß, um die notwendigen Genehmigungen in der Kürze der Zeit zu erteilen.  

Ich hoffe, dass selbst wenn das Dau-Projekt in diesem Jahr in Berlin nicht stattfinden kann, die Diskussion über dieses ungewöhnliche Kunstprojekte weiter geht. Denn Kunst muss auch aufregen, polarisieren und zum Streit anregen!

Mit freundlichen Grüßen

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann



Der mit dem Seziermesser: Zum 20. Todestag des iranischen Drehbuchautors und Regisseurs Sohrab Shahid Saless

Am 2. Juli 2018 jährte sich Salessʼ Todestag zum 20. Mal und es ist mehr als überfällig, dass sein Leben und Werk (wieder) in das Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit treten. Zwar finden ihm zu Ehren seit einigen Jahren Retrospektiven im In- und Ausland statt, doch werden seine Filme weder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt, noch sind sie im üblichen Handel zu kaufen.  

Dabei ist die Beschäftigung mit Saless ein Gewinn: Sein Leben und Werk sind ein frühes Beispiel dafür, was heute mit den Schlagworten Integration und Transkulturalität bezeichnet wird. Saless pendelt zwischen mehreren Sprachen, Kulturen und politischen Systemen und steht exemplarisch für die Künstler aus Nahost, die ihr Land aufgrund bestimmter politischer Entwicklungen Richtung Westen verlassen, um ihre Arbeit hier fortzusetzen. Saless ist ein Impulsgeber der „neuen iranischen Welle“, die in den 1960er Jahren entsteht und den Autorenfilm im Land bis heute prägt. Er ist aber auch Teil des „Neuen deutschen Films“ und hat Anhänger unter Regisseuren wie Romuald Karmakar.

Lesen Sie den Text von Behrang Samsami über Sohrab Shahid Saless hier weiter...
Sohrab Shahid Saless


Neue Mitarbeiter: Seit dem 15. September werden die Arbeitsschwerpunkte Nachhaltigkeit und Integration Personell verstärkt

Thomas Birk
Thomas Birk, Jahrgang 1961, aufgewachsen in Krefeld, studierte Schauspiel in Hamburg und stand anschließend auf Bühnen in Osnabrück, Mainz, Erfurt und Berlin. 1997 absolvierte er an der FU Berlin ein Diplom in Politikwissenschaften. Nach seiner Tätigkeit als Geschäftsführer eines kommunalpolitischen Forums in Berlin war er 2005 bis 2016 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin mit den Schwerpunkten Verwaltungsmodernisierung, Kultur, Bildung und Queerpolitik. Zuletzt war er als Referent für Bildung, Kultur und Wissenschaft in einer Fraktion im Brandenburger Landtag tätig.

Seit dem 15. September 2018 ist er Referent für kulturelle Integration beim Deutschen Kulturrat.


Jens Kober
Jens Kober, Jahrgang 1970, wurde in Speyer geboren und verbrachte seine Kindheit im Pfälzer Wald. In Mannheim studierte er Politik, Soziologie, Arbeits- und Organisationspsychologie und kam 2000 als Diplom Sozialwissenschaftler nach Berlin. Zwölf Jahre war er im Deutschen Bundestag als Referent und Büroleiter für verschiedene Abgeordneten im Bereich Kultur, Medien und Integrationspolitik tätig. Die letzten Jahre war er als freiberuflicher Projektmanager aktiv und koordinierte u.a. das Internationale Deutsche Turnfest in Berlin 2017.

Seit dem 15. September 2018 ist er Referent für Nachhaltigkeit und Kultur beim Deutschen Kulturrat.


Eine Gesamtübersicht über den Vorstand und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Deutschen Kulturrates finden Sie hier.


Einladung: Chancen und Potentiale der Bewerberstädte Kulturhauptsatadt Europas 2025 für die deutsche Kulturlandschaft"

am Montag, den 24.09.2018 von 15.30 - 17:30 Uhr in die Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, In den Ministergärten 10, 10117 Berlin.
Auf dem Podium diskutieren:
  • Katrin Budde (MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien), 
  • Nadja Grizzo (Beraterin für Kulturhauptstädte), 
  • Klaus Hebborn (Beigeordneter des Deutschen Städtetags, Leiter des Kulturdezernats)
  • Olaf Zimmermann (Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats) 
mit Prof. Dr. Wolfgang Schneider und Kristina Jacobsen (Moderation)

Das Programm "Kulturhauptstadt Europas" hat in seiner über 30jährigen Geschichte bewiesen, welche weitreichenden Auswirkungen Ansätze kulturgeprägter Stadtentwicklung haben (können). Standorte wie RUHR.2010, Marseille-Provence 2013 und Aarhus 2018 zeigten auf, wie verschiedene kommunale Politikbereiche fruchtbar, effizient und nachhaltig zusammenarbeiten können. Die Erfolge der EU-Initiative sind Vorbild und Motor für die Städte Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg und Zittau, die sich nunmehr im Wettbewerb miteinander befinden, um den Titel der "Kulturhauptstadt Europas 2025" zu erringen. Sie arbeiten teilweise schon seit mehreren Jahren an einer Bewerbung, die im Herbst 2019 eingereicht werden muss. Innerhalb dieses Bewerbungsprozesses regte das ECoC LAB eine Vernetzung der Städte an, die ihren Anfang vor einem Jahr in der Universität Hildesheim nahm und seitdem bei Veranstaltungen in mehreren Bewerberstädten fortgesetzt wurde. Wird der umfangreiche Bewerbungsprozess die deutsche Kulturlandschaft verändern? Welchen kulturpolitischen Beitrag können die Bewerberstädte im europäischen Mehrebenensystem leisten? Und wie können die erarbeiteten Potentiale in den Städten, Regionen und darüber hinaus erfolgreich erhalten und weiterentwickelt werden?  

Bitte melden Sie sich unter info@ecoclab.eu zu der Veranstaltung an.



Einladung: Mythos Unabhängigkeit - jede Meinung hat ihren Preis

16. Oktober 2018, 10 Uhr, Landesvertretung Sachsen-Anhalt, Luisenstraße 18, 10117 Berlin

Unabhängig erzählen, dokumentieren, berichten oder interpretieren ist Voraussetzung für die freie Meinungsbildung in unserem Land. Denn finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht es, audiovisuelle Medien frei von Einflussnahme herzustellen und vielfältige Sichtweisen darzustellen. Doch wie frei können Drehbuchautoren, Filmproduzenten, Gamesentwickler und TV-Sender heute tatsächlich schreiben, produzieren und vermarkten? Wie werden audiovisuelle Medien finanziert und welche Kompromisse müssen ihre Macher dabei eingehen?
Mit Julia Piaseczny, Sprecherin Deutscher Medienrat; Dr. Michael Schneider, Staatssekretär und Bevollmächtigter des Landes  Sachsen-Anhalt beim Bund; Prof. Christian Höppner,  Präsident des Deutschen Kulturrats; Prof. Dr. Klaus Schaefer; Peter Henning; Kai Wiesinger; Vreni Frost; Prof. Karl Karst, WDR zur Perspektive des öffentlich-rechtlichen Rundfunks; Dr. Thorolf Lipp; Harald Krewer; Linda Kruse; Borjana Gaković; Karsten Stöter; Janine Jackowski, Komplizen Film; Elisabeth Motschmann,  kultur- und medienpolitische Sprecherin CDU/CSU-Fraktion; Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher SPD-Fraktion; Pim Richter,  Drehbuchautor; Rainer Robra,  Staats- und Kulturminister Sachsen-Anhalt; Jan Herchenröder, Sprecher Deutscher Medienrat.

Das Programm der Veranstaltung kann hier geladen werden.
Der Deutsche Medienrat bittet um Anmeldung bis zum 12. Oktober 2018 an anmeldungen@deutschermedienrat.de.



Eine stärkere Förderung von Spiele-Entwicklern in Deutschland hat sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt. Die Richtlinien dafür sollen dort erarbeitet werden, wo bislang die Zuständigkeit für den Computerspiele-Preis beheimatet war: im Bundesverkehrsministerium. Doch nun regen sich Zweifel on das Bundesverkehrsministerium der richtige Ort dafür ist.

„Der Computerspielepreis wie auch die Games-Förderung gehören in das Haus der Kulturstaatsministerin, weil es sich um eine Kulturförderung handelt“, sagte der Geschäftsführer des Spitzenverbands der Bundeskulturverbände, Olaf Zimmermann, dem Handelsblatt. Leider habe die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in der vergangenen und in dieser Legislaturperiode nicht zugegriffen. „Das war ein Fehler.“ Zimmermann sieht auch in der Struktur des Zuständigkeitsbereichs von Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär, einen Grund dafür, dass die Games-Förderung nun bei Minister Scheuer angesiedelt ist. Dieser sei „winzig klein“, sodass sie offenbar die Games-Förderung personell und finanziell nicht stemmen könne.


Vorankündigung: Wachgeküsst - 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998-2018

Im Oktober 2018 wird die Bundesbehörde "Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien" 20 Jahre alt. Ende der 1990er Jahre als neue Behörde gegründet und organisatorisch an das Bundeskanzleramt angebunden, musste sie ihren Platz erst fnden. Es ging einerseits darum, eine eigene Position mit Blick auf die Länder und deren sogenannter Kulturhoheit zu entwickeln und andererseits im Konzert der Bundesministerien zu einer eigenen Stimme zu finden und insbesondere mit Blick auf die Gesetzgebung zu einem eigenständigen Akteur zu werden. Das am 17. Oktober erscheinende Buch beschreibt diesen Weg.

Wachgeküsst - 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998-2018
Hg. v. Olaf Zimmermann
Redaktion: Gabriele Schulz
ISBN 978-3-947308-10-1,
ca. 500 Seiten, Fadenbindung
Wachgeküsst - 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998-2018
Mit Beiträgen von Simone Barrientos, Gerhart Baum, Gabriele Beger, Frithjof Berger, Maria Bering, Sigird Bias-Engels, Carsten Brosda, Johann-Hinrich Claussen, Gitta Connemann, Hartmut Dorgerloh, Hartmut Ebbing, Felix Falk, Alexander Farenholtz, Jörg Freese, Frank Frischmuth, Max Fuchs, Katharina Görder, Dieter Gorny, Rupert Graf Strachwitz, Monika Griefahn, Erhard Grundl, Monika Grütters, Kathrin Hahne, Hans Gerd Hannesen, Klaus Hebborn, Markus Hilgert, Benjamin-Immanuel Hoff, Christian Höppner, Hans Jessen, Marc Jongen, Karl Jüsten, Susanne Keuchel, Jakob Johannes Koch, Martin Maria Krüger, Klaus-Dieter Lehmann, Melanie List, Uwe Lübking, Gilbert Lupfer, Aiman Mazyek, Udo Michallik, Regine Möbius, Elisabeth Motschmann, Michael Naumann, Bernd Neumann, Uwe Neumärker, Knut Nevermann, Julian Nida-Rümelin, Hans-Joachim Otto, Hermann Parzinger, Isabell Pfeiffer-Poensgen, Gerhard Pfennig, Jan-Ole Püschel, Heike Raab, Martin Rabanus, Stefan Rhein, Claudia Roth, Günther Schauerte, Oliver Scheytt, Wolfgang Schneider, Barbara Schneider-Kempf, Barbara Seifen, Charlotte Sieben, Norbert Sievers, Robert Staats, Wolfgang Thierse, Isabel Tillmann, Matthias Theodor Vogt, Hortensia Völckers, Matthias Weber, Christina Weiss, Günter Winands und Olaf Zimmermann

Bestellen Sie bis zum 16.10.2018 das Buch hier zum Subskriptionspreis von 17,10 Euro vor.
Ab dem 17.10.2018 kostet das Buch regulär 22,80 Euro.
Es erscheint am 17.10. 2018 und wird erst dann ausgeliefert.



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Deutscher Kulturrat e.V.
Taubenstr. 1
10117 Berlin

Web: www.kulturrat.de
E-Mail: post@kulturrat.de

Tel: 030-226 05 28-0
Fax: 030-226 05 28-11

Verantwortlich:
Olaf Zimmermann,
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates