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Der kulturpolitische Wochenreport (37. KW)
Verlagssterben, Politik & Kultur, Franziska Giffey, Migration, Älter werden, Mentoring-Programm


Sehr geehrte Damen und Herren, 

zur Zeit hat man das Gefühl, Verlage sterben wie die Fliegen. Das Ende des Frankfurter Stroemfeld Verlag (Roter Stern), der mit seiner historisch-kritischen Hölderlin-Ausgabe (1978–2008) Maßstäbe setzte, ist der letzte Fall in einer ganzen Kette von Verlagsschließungen.

Der Buchmarkt hat in den letzten Jahren wie andere kulturwirtschaftliche Märkte auch nicht zuletzt durch die Digitalisierung große Veränderungen durchlaufen. Die Produktionsprozesse haben sich ebenso verändert wie die Vertriebskanäle und die Ansprache des Publikums. Konzentrationsprozesse im Buchmarkt fanden statt und insbesondere die mittleren Unternehmen stehen vor der Herausforderung sich in der Sandwich-Position zwischen Großverlagen mit mehreren Imprints, also Verlagen im Verlag, und Kleinverlagen zu behaupten. Der stationäre Buchhandel konkurriert mit den immer mächtiger werdenden Online-Händlern wie Amazon und muss sich mit einem eigenen Profil positionieren.

Die Veränderungen des Buchmarktes trugen dazu bei, dass laut dem Monitoring-Bericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2017 der Bundesregierung die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 60.379 im Jahr 2010 auf 54.469 im Jahr 2016 sank. Der Buchmarkt gehört damit neben dem Presse- sowie dem Kunstmarkt zu jenen kulturwirtschaftlichen Branchen, in denen Verluste an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung auszumachen sind. Zu den kulturwirtschaftlichen Wachstumsbranchen mit Blick auf den Faktor sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gehören mit einem sehr deutlichen Aufwuchs die Software- und Gameswirtschaft. Ebenfalls ein Wachstum an Beschäftigten können der Markt für darstellende Künste, der Architekturmarkt, die Designwirtschaft, die Rundfunkwirtschaft, der Werbemarkt und die Filmwirtschaft verzeichnen. Ebenso wie die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind auch die Umsätze im Buchmarkt zurückgegangen. Positiv ist hingegen die Zahl der Unternehmensgründungen im Buchmarkt. Hier ist über den genannten Zeitraum von 2010 bis 2016 ein Wachstum an Unternehmen zu verzeichnen. Zu vermuten ist, dass es sich zumindest bei einem Teil der neu gegründeten Unternehmen um solche handelt, die von ehemaligen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nun als Ein-Personen-Unternehmen geführt werden.

Es ist anzunehmen, dass der Druck auf den Buchmarkt anhalten wird. Dies ist auch im Kontext der gesamten Mediennutzung zu sehen. Der Tag hat auch für Leserinnen und Leser nur 24 Stunden, in dem Moment, in dem die Nutzung audiovisueller Inhalte zunimmt, sinkt das verfügbare Zeitbudget zum Lesen von Büchern.

Drum mein Aufruf an alle, die das Kultur- und Wirtschaftsgut Buch erhalten und pflegen wollen, lest Bücher und vor allem kauft sie!

Mit freundlichen Grüßen


Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
twitter.com/olaf_zimmermann


PS. Die neue Ausgabe von Politik & Kultur wurde seit dem Erscheinen vor zwei Wochen schon mehr als 30.000 Mal von unserem Server geladen. Knapp 4.000 Exemplare wurde in der Printversion ausgeliefert. Danke für ihr Interesse.



Politik & Kultur mit dem Schwerpunkt zum deutschen Buchmarkt

Themen der Ausgabe:

Deutscher Buchmarkt: Lesen Sie?!: Spezial zur Frankfurter Buchmesse  
Heimatministerium: Zurück zur Kultur: Das Bundesinnenministerium erweitert die Kompetenz und das Selbstverständnis  
Kulturförderung: Vom Problem zur Lösung: Wie können Musik, Verlage, Medien und Computerspiele besser gefördert werden?  
Interkultureller Dialog: Gleichberechtigung & Respekt: Wie kann der Dialog zwischen den Kulturen langfristig erfolgreich gelingen?  
GEZ-Urteil: Finanzierung für Qualität & Vielfalt: Was bedeutet das Urteil zum Rundfunkbeitrag des Bundesverfassungsgerichts?  
Weitere Themen: kulturelle Teilhabe, Humboldt Forum, Spezialbibliotheken: ifa-Bibliothek, Mehrsprachigkeitspolitik der Europäischen Union,  Kulturerbe – Sharing Heritage: ESACH, „Europa in Westfalen“, Goethe-Institut Spanien, Europäische Kulturhauptstadt Leeuwarden, Friedensprozess in Kolumbien, 25 Jahre ConBrio Verlag, Reiner Hoffmann im Porträt, Brexit, Online-Magazin Café Babel, gamescom congress: Erinnerungskultur in Computerspielen  


Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Eine Kultur von allen und für alle macht Deutschland spürbar stärker

Vielfalt bereichert Kultur. Eine vielfältige Kultur wiederum bereichert unser Land. Sie öffnet Welten, sie ermöglicht Perspektivwechsel, und sie gibt allen einen Raum, um ihre Geschichte zu erzählen. Eine Kultur von allen und für alle macht Deutschland spürbar stärker.

Lesen Sie den Artikel von Franziska Giffey hier nach!








Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend


Fakten statt Fake: Migration - Die Welt ist in Bewegung

Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie auf bessere Lebensbedingungen für sich und ihre Familien hoffen, ein Arbeitsplatzangebot erhalten haben oder weil sie Schutz suchen vor Verfolgung, Unterdrückung oder Bürgerkrieg. Fast 245 Millionen Menschen leben heute nicht mehr in ihrem Heimatland, schätzen die Vereinten Nationen. Nur die Hälfte davon verlässt die Großregion, aus der sie kommt – Migration über Kontinente hinweg ist nicht die Regel. Die interaktive Grafik der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration zeigt eine Momentaufnahme von gewanderten Personen nach Kontinent, in Millionen.
Ein- und Auswanderung gehören seit jeher zu Deutschland. Stets waren diese Bewegungen ein Spiegel der Zeitgeschichte: Die Nachkriegszeit und der Arbeitskräftebedarf der 1950er und 1960er Jahre führten zu Anwerbung von Arbeitnehmern aus dem Mittelmeerraum. Heute wird das Wanderungsgeschehen vor allem vom europäischen Recht auf Freizügigkeit und von aktuellen Fluchtbewegungen bestimmt. Klicken Sie sich durch die unterschiedlichen Einwanderungsphasen und lesen Sie über Deutschland als Einwanderungsland im Schaubild von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Erstmalig mit dem Januar 2017 konnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge genaue Angaben zum monatlichen Zugang von Asylsuchenden machen. Demnach wurden im Jahr 2017 186.644 Asylsuchende in Deutschland registriert und damit deutlich weniger als in den Vorjahren. Nach Berechnungen des Bundesamtes hatten im Jahr 2016 ca. 280.000 und im Jahr 2015 ca. 890.000 Personen in Deutschland Schutz gesucht. Hauptstaatsangehörigkeiten im Jahr 2017 waren Syrien, Irak und Afghanistan. Laden Sie die Broschüre des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hier.


Neuerscheinung: „Von 0 auf 100?“ - ein Dossier zum Thema „Älterwerden als Kulturschaffende“

Sasha Waltz, vielfach gefeierte Choreographin, Regisseurin und designierte Co-Leiterin des Staatsballett Berlin begeht in diesem Sommer das 25-jährige Bestehen ihrer Tanz-Compagnie Sasha Waltz & Guest. Wir sehen, auch ehemalige Nachwuchstalente werden älter, machen gute und schlechte Erfahrungen auf ihrem Karriereweg und lernen nie aus. In welchen Kultursparten haben es Kreative in zunehmendem Alter schwerer oder sogar leichter, erfolgreich zu sein? Warum treffen das Doing Aging und der Leistungsanspruch an unsere Körperlichkeit Frauen immer noch ungleich schwerer – gerade in Kultur und Medien? Diesen Fragen des „Älterwerdens als Kulturschaffende“ widmet sich unser Dossier.

Von 0 auf 100?“ - ein Dossier zum Thema „Älterwerden als Kulturschaffende
Hg. v. Olaf Zimmermann und Theo Geissler,
ISBN 978-3-947308-12-5,
58 Seiten, 4,20 €


Mentoring-Programm für Frauen, die in Führung gehen möchten

Hoch qualifizierte Künstlerinnen und Kreative, die bereits vielfältige Berufsstationen absolviert haben und nun eine Führungsposition anstreben, können sich für das bundesweite 1:1-Mentoring-Programm bewerben. 20 in ihrem Fach exzellente Mentorinnen und Mentoren aus den Bereichen Literatur, Musik, Kulturelle Bildung, Tanz, Theater, Film, Medien, Denkmalkultur, Design und Bildende Kunst stehen den auszuwählenden Mentees ab Januar 2019 beratend zur Seite. Im Tandem sollen die ambitionierten Frauen vom Erfahrungsschatz der etablierten Berufskolleginnen und -kollegen profitieren, damit langfristig mehr Frauen an den Schaltstellen von Kultur- und Medienwirtschaft bzw. -politik vertreten sind.

Das Mentoring-Programm läuft jeweils über sechs Monate. Bewerbungsschluss ist der 21. Oktober 2018.

Die Ausschreibung finden Sie hier.



Pressemitteilung

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Deutscher Kulturrat e.V.
Taubenstr. 1
10117 Berlin

Web: www.kulturrat.de
E-Mail: post@kulturrat.de

Tel: 030-226 05 28-0
Fax: 030-226 05 28-11

Verantwortlich:
Olaf Zimmermann,
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates